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Mangan in der Hundeernaehrung: ein winziges Mineral, ein grosses Problem beim Bilanzieren

Warum Mangan in selbst zubereiteten und rohen Hundediaeten leicht uebersehen wird und wie man es bewusst unter Kontrolle haelt.

25. Juni 2026

BARF-Napf mit pflanzlichen Zutaten — Mangan wird in einer fleischbasierten Ration leicht übersehen

In selbst zubereiteten Hundediaeten sind die ueblichen Themen Kalzium, Phosphor, Zink, Jod oder Vitamin D. Mangan kommt seltener zur Sprache, weil es nicht mit einem einzigen einfachen Symptom verknuepft ist und auf dem Produktetikett meist nicht sichtbar wird. Das ist ein Fehler. Untersuchungen zu selbst zubereiteten und rohen Diaeten zeigen, dass Mangan einer der unterversorgten Naehrstoffe sein kann.

Mangan wird unter anderem fuer die Enzymaktivitaet, den Stoffwechsel und die korrekte Bildung von Knochen, Knorpel und Bindegewebe benoetigt. Der Bedarf ist nicht hoch, doch wenn eine Diaet hauptsaechlich auf Fleisch, Innereien, Eiern und Knochen beruht, ist es leicht, ihn nicht zu decken.

Was die Studien zeigen

In einer Studie von Stockman et al. aus dem Jahr 2013 wurden 200 Rezepte fuer selbst zubereitete Erhaltungsdiaeten fuer erwachsene Hunde ausgewertet [1]. Ganze 95 % der Rezepte hatten mindestens einen Naehrstoff unterhalb der Empfehlungen von NRC oder AAFCO, und 83,5 % wiesen mehrere Defizite zugleich auf. Zu den am haeufigsten fehlenden Mineralstoffen gehoerten Zink (unter den Empfehlungen in 69 % der Rezepte), Kupfer (54 %) und Kalzium (35 %) — das zeigt, wie leicht sich Spurenelemente in einer selbst zubereiteten Diaet uebersehen lassen.

Ein noch deutlicheres Signal, diesmal direkt zum Mangan, liefert eine Studie zu fertigen, als vollwertig deklarierten Rohfutterdiaeten. Moravszki et al. untersuchten 33 im Handel erhaeltliche rohe Hundefutter [2]. Keines erfuellte alle Mineralstoffempfehlungen der FEDIAF, und Mangan lag in 23 Produkten unter dem empfohlenen Wert, also in 69,7 % der Proben.

Das bedeutet nicht, dass jede selbst zubereitete Diaet oder jede BARF-Diaet mangelhaft ist. Es bedeutet vielmehr, dass es ohne Rechnen und ohne verlaessliche Zutatendaten sehr leicht ist, Mangan zu uebersehen.

Warum eine fleischbasierte Diaet damit Probleme hat

Muskelfleisch enthaelt in der Regel sehr wenig Mangan. In den Daten von USDA FoodData Central sind die Werte fuer rohes Fleisch oft nur Spuren — Rinderhackfleisch oder Huhn etwa haben rund Hundertstel eines Milligramms pro 100 g [8]. Auch Eier und Milchprodukte sind keine starken Manganquellen. Innereien schneiden besser ab, machen aber meist nur einen Teil eines Rezepts aus, sodass sie das Problem allein nicht loesen.

Mehr Mangan findet sich tendenziell in pflanzlichen Produkten, Getreide, Saaten, manchen Gemuesesorten und Algen. Doch in Hundediaeten werden sie nicht immer in grossen Mengen verwendet, und einige bringen eigene ernaehrungsbedingte Grenzen mit. Deshalb muss Mangan oft gesondert ueberprueft werden, statt anzunehmen, dass es sich „irgendwie schon zusammenfindet”.

Normen: wie viel Mangan ein Hund braucht

Fuer erwachsene Hunde liegt ein praktischer Bezugspunkt bei etwa 1,2–1,7 mg Mangan pro 1000 kcal Diaet, je nach Norm. NRC gibt etwa 1,2 mg/1000 kcal an [3], AAFCO entspricht etwa 1,25 mg/1000 kcal [5], und FEDIAF 2025 nennt fuer erwachsene Hunde 1,44–1,67 mg/1000 kcal, je nach angenommener Energieaufnahme [4].

In einem Diaetgenerator schaut man am besten genau auf mg/1000 kcal, denn der Gehalt pro 100 g eines Produkts allein sagt noch nicht, wie viel der Hund tatsaechlich in der Tagesration bekommt.

Algen koennen helfen, lassen sich aber nicht immer berechnen

Meeresalgen wie Ascophyllum nodosum werden in BARF-Diaeten oft als Jodquelle eingesetzt. Sie koennen auch Mangan und andere Spurenelemente enthalten. Das Problem ist, dass Hersteller in der Regel Jod, Asche, Eiweiss oder Fett deklarieren, Mangan aber nicht immer angeben.

Das muss kein Fehler des Herstellers sein. Die EU-Vorschriften zur Futtermittelkennzeichnung verlangen die Angabe bestimmter Informationen, und natuerlich vorkommende Spurenelemente muessen nicht immer als gesonderte Zahl ausgewiesen werden [6]. FEDIAF erklaert in seinem Kennzeichnungskodex zudem, dass ein Wert im Bereich der Zusatzstoffe die der Rezeptur zugesetzte Menge bedeuten kann und nicht die Gesamtmenge eines bestimmten Elements im fertigen Produkt [7].

Fuer den Halter und fuer den Diaetgenerator ist die Folge einfach: Das Fehlen von Mangan auf dem Etikett bedeutet nicht, dass das Produkt keines enthaelt. Es bedeutet, dass es sich nicht zuverlaessig berechnen laesst.

Warum das in der Praxis wichtig ist

Ein Beispiel: Wenn eine Alge 2,3 mg Mangan pro 100 g enthaelt, dann liefert 1 g dieser Alge nur 0,023 mg Mangan. Das ist wenig im Vergleich zu einem auf 1000 kcal berechneten Bedarf. Hinzu kommt, dass Algen wegen des Jods vorsichtig dosiert werden, sodass man die Menge nicht einfach erhoehen kann, nur um den Mangangehalt anzuheben.

Deshalb lassen sich Algen als moegliche Manganquelle betrachten, aber nur dann, wenn der Hersteller einen konkreten Gehalt angibt, idealerweise in mg/kg oder mg/100 g. Ohne diese Information ist es sicherer, sie in erster Linie als Jodquelle zu rechnen und Mangan gesondert zu kontrollieren.

Was man sich merken sollte

Mangan gehoert zu den Naehrstoffen, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Eine Diaet kann natuerlich, abwechslungsreich und „reichhaltig” aussehen und trotzdem zu wenig Mangan enthalten. Das gilt besonders fuer Rezepte, die hauptsaechlich auf Fleisch, Innereien, Knochen, Eiern und kleinen Mengen pflanzlicher Zusaetze beruhen.

Der sicherste Ansatz ist, nicht zu raten. In einer selbst zubereiteten Diaet sollte Mangan ebenso bewusst berechnet werden wie Kalzium, Phosphor, Zink oder Jod. Soll ein Produkt eine Manganquelle sein, braucht es eine konkrete Angabe des Herstellers oder eine verlaessliche Analyse des Rohstoffs.

Quellen

  1. Stockman, J., Fascetti, A. J., Kass, P. H., Larsen, J. A. (2013). Evaluation of recipes of home-prepared maintenance diets for dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 242(11), 1500–1505. https://doi.org/10.2460/javma.242.11.1500
  2. Moravszki, L. et al. (2025). Assessment of mineral adequacy in preprepared raw dog foods labeled as complete. Scientific Reports, 15, 43447. https://doi.org/10.1038/s41598-025-27388-w
  3. National Research Council (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/10668
  4. FEDIAF (2025). Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. https://europeanpetfood.org/wp-content/uploads/2025/09/FEDIAF-Nutritional-Guidelines_2025-ONLINE.pdf
  5. AAFCO. Dog Food Nutrient Profiles. https://www.aafco.org/wp-content/uploads/2023/01/Pet_Food_Report_2013_Annual-Appendix_B.pdf
  6. Regulation (EC) No 767/2009 ueber das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:02009R0767-20180101
  7. FEDIAF. Code of Good Labelling Practice for Pet Food. https://europeanpetfood.org/wp-content/uploads/2022/02/FEDIAF_labeling_code_2019_onlineOctober2019.pdf
  8. USDA FoodData Central. https://fdc.nal.usda.gov/food-search