Wie viele Kalorien braucht ein Hund oder eine Katze?

Zwei aktive Hunde beim Spaziergang — Bewegung beeinflusst den Energiebedarf

DER-Rechner

850 kcal/Tag

RER
530 kcal
Multiplikator
×1,60
BCS
×1,00

Das Wichtigste vorweg: Das Ergebnis des Rechners ist eine erste Schätzung des täglichen Kalorienbedarfs und keine garantierte Portionsgröße. Den tatsächlichen Bedarf prüfst du anhand von Körpergewicht, Körperkonditionswert (BCS) und Wohlbefinden des Tieres und passt die Portion im Lauf der Zeit an.

RER, MER und DER einfach erklärt

Der RER (resting energy requirement, Ruheenergiebedarf) beschreibt die Energie, die der Körper in Ruhe benötigt. Eine häufig verwendete Gleichung lautet:

RER = 70 × Körpergewicht (kg)0,75 [kcal/Tag]

Der Exponent 0,75 berücksichtigt, dass der Energiebedarf nicht direkt proportional mit den Kilogramm steigt. Dennoch bleibt das Ergebnis eine auf einer Gleichung beruhende Schätzung und ist keine Messung am einzelnen Tier [1] [2].

Der MER (maintenance energy requirement, Erhaltungsenergiebedarf) ist die Energie, die zum Erhalt der Energiebilanz und eines stabilen Körpergewichts benötigt wird. DER (daily energy requirement, täglicher Energiebedarf) wird in Rechnern und Ratgebern als Bezeichnung für ein Tagesziel verwendet. Diese Begriffe werden nicht überall einheitlich eingesetzt. In der Praxis ist die richtige Einordnung wichtiger als die Abkürzung: Es handelt sich um ein anfängliches Tagesziel, das durch Beobachtung überprüft werden muss.

Warum ein Multiplikator nicht zu jedem Tier passt

Aktivität, Kastrationsstatus, Körperkondition, Lebensphase, Umgebungstemperatur und Gesundheit können den Energiebedarf beeinflussen. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder dieser Faktoren einen festen, universellen Multiplikator hat, der immer bedenkenlos mit allen anderen multipliziert werden kann.

Die WSAVA-Tabellen für gesunde, ausgewachsene Tiere verdeutlichen das. Als Referenzgleichungen zur Schätzung der Tagesenergie nennen sie für Hunde mit geringer Aktivität 95 × Körpergewicht (kg)0,75 [kcal/Tag] und bei höherer Aktivität 130 × Körpergewicht (kg)0,75 [kcal/Tag] [3]. Für Katzen verwenden sie andere Gleichungen und Exponenten: 100 × Körpergewicht (kg)0,67 [kcal/Tag] für schlanke Katzen und 130 × Körpergewicht (kg)0,4 [kcal/Tag] für zu Übergewicht neigende Katzen [4]. Das sind Ausgangswerte für die weitere Beurteilung, keine Messungen des individuellen Bedarfs.

Der Rechner oben verbindet die eingegebenen Angaben zu einer vereinfachten Schätzung. Seine Felder dürfen nicht als Sammlung voneinander unabhängiger klinischer Empfehlungen verstanden werden. Auch der Seniorenstatus allein belegt nicht, dass ein Tier weniger Kalorien braucht: Studien zeigen große Unterschiede zwischen einzelnen Tieren, und Körpergewicht oder Alter allein sagen den Energiebedarf nicht zuverlässig voraus [7] [8].

Bei Welpen und Kätzchen sowie während Trächtigkeit und Laktation verändert sich der Bedarf mit Wachstumsphase, Trächtigkeits- oder Laktationswoche und Wurfgröße. In diesen Situationen, bei Erkrankungen und bei geplanter Gewichtsabnahme solltest du Fütterungsplan und Rechnerergebnis mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt besprechen. Die WSAVA-Leitlinien zur Ernährungsbeurteilung nennen diese Faktoren als Gründe für eine vertiefte Beurteilung [2].

So rechnest du Kalorien in Gramm um

Für die Berechnung der Futtermenge brauchst du die Energiedichte der konkreten Ration:

Portion (g/Tag) = Energieziel (kcal/Tag) ÷ Energiedichte (kcal/100 g) × 100

Liegt das Ziel bei 500 kcal und liefert die Ration 200 kcal pro 100 g, beträgt die anfängliche Portion 250 g. Alle kalorienhaltigen Leckerbissen und Ergänzungen müssen in die Tagesmenge einbezogen werden. Die WSAVA empfiehlt, eine so berechnete Portion als Ausgangspunkt und nicht als endgültige Antwort zu betrachten [5].

Warum die Regel „2–3 % des Körpergewichts“ irreführen kann

Ein Prozentsatz des Körpergewichts sagt, wie viel Futter gewogen werden soll, aber nicht, wie viel Energie diese Portion enthält. Bei einem 10 kg schweren Hund ergeben 2 % eine Futtermenge von 200 g. Diese Menge liefert:

  • 240 kcal, wenn die Ration 120 kcal/100 g enthält,
  • 480 kcal, wenn die Ration 240 kcal/100 g enthält.

Die Energiezufuhr verdoppelt sich, obwohl sich der Prozentsatz des Körpergewichts nicht verändert. Eine energiebasierte Berechnung berücksichtigt damit eine wichtige Information, die in der Prozentregel fehlt. Auch sie bleibt eine Schätzung, die kontrolliert werden muss.

BCS und Körpergewicht zeigen, ob die Portion passt

Die WSAVA weist darauf hin, dass der tatsächliche Bedarf bei Hunden um etwa 30 % nach oben oder unten und bei Katzen um bis zu 50 % vom berechneten Ausgangswert abweichen kann [2]. Eine Abweichung kann natürliche Unterschiede widerspiegeln, aber auch aus den Grenzen der Gleichung oder ungenauen Eingaben entstehen. Deshalb muss die Schätzung anhand der Reaktion des Tieres überprüft werden.

Nach Einführung der Portion:

  • wiege das Tier regelmäßig und möglichst unter ähnlichen Bedingungen,
  • beurteile den BCS immer auf derselben 9-Punkte-Skala; für die meisten Hunde und Katzen liegt der Zielbereich bei 4–5/9 [6],
  • beobachte Muskelkondition, Aktivität, Appetit und Verdauung,
  • prüfe den Trend anfangs ungefähr alle zwei Wochen und passe die Portion schrittweise an [5].

Wenn sich das Gewicht schnell verändert, der BCS deutlich außerhalb von 4–5/9 liegt oder das Tier erkrankt ist, sollten Fütterungsplan und Änderungstempo tierärztlich festgelegt werden [2].

Was das für BARFLAB bedeutet

Der BARFLAB-Rechner hilft anhand der eingegebenen Informationen, ein anfängliches tägliches Energieziel festzulegen. Zusammen mit der Energiedichte der Ration ergibt sich daraus eine Portion in Gramm. Das Ergebnis garantiert nicht die richtige Portion für einen bestimmten Hund oder eine bestimmte Katze. Richtig ist die Portion, die langfristig hilft, das angestrebte Gewicht und die Körperkondition ohne unerwünschte Symptome zu halten.

Quellen

  1. National Research Council (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/10668
  2. WSAVA Global Nutrition Committee (2011). Nutritional Assessment Guidelines. WSAVA-Publikation, DOI
  3. WSAVA Global Nutrition Committee (2020). Calorie Needs for Healthy Adult Dogs. WSAVA-Publikation
  4. WSAVA Global Nutrition Committee (2020). Calorie Needs for Healthy Adult Cats. WSAVA-Publikation
  5. WSAVA Global Nutrition Committee. Frequently Asked Questions and Myths. WSAVA-Publikation
  6. WSAVA Global Nutrition Committee (2025). Body Condition Score. BCS-Tabelle für Hunde und Katzen
  7. Bermingham et al. (2014). Energy Requirements of Adult Dogs: A Meta-Analysis. PLOS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0109681
  8. Bermingham et al. (2010). Energy Requirements of Adult Cats. British Journal of Nutrition. https://doi.org/10.1017/S000711450999290X