Fett
Fett ist die konzentrierteste Energiequelle in der Ernährung – es liefert mehr als doppelt so viele Kalorien wie Protein oder Kohlenhydrate (9 kcal/g gegenüber 4 kcal/g), weshalb selbst eine geringe Änderung der Menge den Kaloriengehalt der Mischung maßgeblich beeinflusst [1]. Neben der Energie dient Fett als Träger der Vitamine A, D, E und K (ohne Fett werden diese selbst bei ausreichender Zufuhr nicht aufgenommen), als Baustoff für Zellmembranen sowie als Grundlage für gesunde Haut und glänzendes Fell. Wichtige Unterscheidung: Die Menge an Fett allein sagt nichts über das Fettsäureprofil aus – eine Diät kann genügend Fett enthalten und gleichzeitig null EPA und DHA liefern.
Vorkommen: Den Fettgehalt reguliert man in erster Linie durch die Auswahl der Fleischstücke, nicht durch separates „Hinzufügen von Fett“ [1]. Fettreichere Optionen: Schweinenacken, Schweinebacke, Geflügelflügel und -schenkel mit Haut, Herzen, Lamm, Lachs. Fettärmere: Putenbrust, Wild, mageres Rindfleisch. Fette von Landtieren liefern hauptsächlich Omega-6 (Linolsäure) und energetisch neutrales Omega-9 – sie decken jedoch den Bedarf an langkettigen Omega-3-Fettsäuren nur sehr schwach ab; diese müssen über kleine, fettreiche Meeresfische (Sardinen, Sprotten, Heringe) und Fischöl zugeführt werden.
Mangel: Trockene, schuppige Haut und stumpfes, brüchiges Fell sind meist das erste Anzeichen; in der Folge kommt es zu einer verzögerten Wundheilung, bei Jungtieren zu Wachstumsstörungen und bei chronischem Mangel zu einer Schwächung des Immunsystems [1] [2]. In der Praxis tritt dies auf, wenn Halter aus Angst vor Übergewicht obsessiv nur mageres Fleisch wählen – das ist ein Fehler, da die Gesamtkalorien begrenzt werden müssen, nicht das Fett an sich.
Überschuss: Das häufigste reale Problem ist Übergewicht, da Fett sehr kalorienreich ist [3]. Ein zweiter, ebenso wichtiger Mechanismus ist die „Verdünnung“ der Diät: Bei einer zu fettreichen Mischung deckt das Tier seinen Kalorienbedarf schneller, frisst weniger Gramm der Gesamtration und erhält automatisch zu wenig Protein, Mineralstoffe und Vitamine [1]. Wenn der Rechner eine gute Fettabdeckung anzeigt, aber Protein- oder Mineralstoffmängel vorliegen, sollte man als Erstes prüfen, ob der Fettgehalt zu hoch ist.
Artunterschiede
Bei Hunden können plötzliche, große Sprünge in der Fettmenge (z. B. eine große Portion fettiger Abschnitte nach einer Phase magerer Fütterung) eine akute Pankreatitis auslösen, insbesondere bei prädisponierten Rassen (Zwergschnauzer, Cocker Spaniel, Yorkshire Terrier) [2]. Eine schrittweise Erhöhung des Fettgehalts ist in der Regel sicher.
Bei Katzen – obligaten Fleischfressern – ist Fett neben Protein der Hauptenergielieferant und ein entscheidender Geschmacksträger. Eine Pankreatitis ist bei ihnen seltener und weniger stark mit Fettsprüngen korreliert, jedoch besteht ein anderes, ernstes Risiko: Eine zu magere, wenig schmackhafte Diät kann dazu führen, dass die Katze zu wenig frisst. Bei einer übergewichtigen Katze, die die Nahrungsaufnahme einstellt, droht eine lebensgefährliche hepatische Lipidose (Fettleber) [4]. Daher erfolgt die Gewichtsabnahme bei einer übergewichtigen Katze durch die Reduzierung der Portionsgröße, nicht durch eine drastische Senkung des Fettgehalts. Zudem benötigt die Katze Arachidonsäure direkt aus tierischen Fetten, da sie diese nicht effizient selbst synthetisieren kann [5].
Worauf zu achten ist
Ein höherer Anteil an PUFA (Fischöl, fetter Fisch) erhöht den Bedarf an Vitamin E, das diese Fettsäuren vor Oxidation schützt – wenn die Diät reich an Omega-3 ist, sollte die Vitamin-E-Abdeckung überprüft werden [1]. Fischöl sollte erst unmittelbar vor der Fütterung hinzugefügt werden, nicht auf Vorrat für die gesamte Charge – oxidierte (ranzige) Fette bilden freie Radikale und verbrauchen Vitamin E. Das offizielle Fettminimum (AAFCO 2023): ca. 5,5 % der Trockenmasse für erwachsene Hunde (8,5 % für das Wachstum) und ca. 9 % für Katzen; in der Praxis liegt eine Rohfütterung meist darüber, wobei der Rechner auf den individuellen Bedarf des jeweiligen Tieres abzielt und nicht auf einen starren Prozentsatz [7].
Quellen
- National Research Council (NRC) (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats, Kapitel 6 — Fette und Fettsäuren. https://nap.nationalacademies.org/catalog/10668/nutrient-requirements-of-dogs-and-cats
- Hand MS, Thatcher CD, Remillard RL, Roudebush P, Novotny BJ (2010). Small Animal Clinical Nutrition, 5th Edition. https://www.markmorrisinstitute.org/sacn5.html
- Lyu Y, Wu C, Li L, Pu J (2025). Current Evidence on Raw Meat Diets in Pets: A Natural Symbol, but a Nutritional Controversy. Animals 15(3):293. https://doi.org/10.3390/ani15030293
- Merck Veterinary Manual. Feline Hepatic Lipidosis. https://www.merckvetmanual.com/digestive-system/hepatic-diseases-of-small-animals/feline-hepatic-lipidosis
- Today's Veterinary Practice (2016). Role of Dietary Fatty Acids in Dogs & Cats. https://todaysveterinarypractice.com/nutrition/role-of-dietary-fatty-acids-in-dogs-cats/
- FEDIAF (2021). Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. https://europeanpetfood.org/self-regulation/nutritional-guidelines/
- Association of American Feed Control Officials. AAFCO Dog and Cat Food Nutrient Profiles. https://www.aafco.org/wp-content/uploads/2023/01/Pet_Food_Report_2013_Annual-Appendix_B.pdf